Die erste Generation

Bis ca. 1850 war Deutschland vor allem ein Wollexportland. Das änderte sich jedoch Mitte des 19. Jahrhunderts: Der Bedarf an Wolle wuchs durch die einsetzende Mechanisierung der Wollverarbeitung, gleichzeitig ging die Wollproduktion zurück. Zum einen gab es moderne Methoden in der Landwirtschaft, um selbst auf schlechterem Boden höhere Erträge zu erwirtschaften. Dadurch wurde die Schafzucht in Deutschland zunehmend unrentabel. Zum anderen drängte die preiswertere Wolle aus Übersee auch auf den deutschen Markt. Zum Beispiel aus Australien. Dort soll es 1825 ganze 238.000 Schafe gegeben haben, 1860 waren es jedoch schon rund 20 Millionen und 1880 mehr als 62 Millionen.

 

Bremen hatte bis zu dem Zeitpunkt kaum Anteil an der mehr als 800-jährigen Geschichte des deutschen Wollgewerbes gehabt. Es lag abseits der großen Wollverarbeitungszentren und die Ausfuhren aus dem mitteldeutschen Raum gingen meistens über Frankfurt am Main oder Hamburg. Aber Mitte des 19. Jahrhunderts begann Bremen, sich zu einem Einfuhrhafen für Wolle aus Übersee zu entwickeln. Zunächst waren die Importe noch sporadisch, aber ab 1860 kamen immer häufiger ganze Schiffsladungen mit Rohwolle aus Übersee nach Bremen. Im Oktober 1868 sollen insgesamt 1284 Ballen für acht bremische Einfuhrhäuser angekommen sein. 

Bremens Position im deutschen Wollimport wurde immer stärker, 1870 wurden bereits ein Sechstel und 1872 schon fast ein Viertel der gesamten deutschen Rohwolleinfuhren über Bremen abgewickelt.

Otto Vahland
(21.12.1887 - 26.04.1948)

Um die Jahrhundertwende soll es in Bremen rund 200 Wollimportfirmen gegeben haben. Das damals lukrative Geschäft mit der Wolle ließen sich auch Ludwig Jorns und Otto Vahland nicht entgehen. Vahland hatte bereits 1896 die Wollhandelsfirma Form & Co. gegründet, aus der er jedoch zum 30. September 1908 austrat. Einen Tag später, am 1. Oktober 1908, gründeten er und Ludwig Jorns das Bremer Wollhandelsunternehmen Jorns & Vahland. Jorns stieg schon nach sehr kurzer Zeit wieder aus, aber Vahland blieb sich, dem Unternehmen und der Wolle treu. Zum 1. Dezember 1908 stellte er Otto Heidorn als Gehilfen ein, der bis August 1910 bei Jorns & Vahland blieb.

Kontor und Telefon waren zunächst in Vahlands Privathaus in der Horner Straße 111 untergebracht, Anfang 1909 fand der Unternehmer aber zwei Räume im Gebäude Wachtstraße 40 in der Bremer Innenstadt. Später hatte Jorns & Vahland seine Geschäftsräume in der Birkenstraße 15.

Aus der Zeit vor dem II. Weltkrieg gibt es nur noch wenige Dokumente, das Büro und auch das Privathaus von Otto Vahland brannten im Krieg völlig aus, und fast alle Unterlagen wurden vom Feuer vernichtet.

Die Handelskammer Bremen dokumentiert, dass die Firma im April 1942 eine Kriegsgemeinschaft mit der Firma Alfred Meyer & Co. gebildet hat. Damit sollten Arbeitskräfte, Büros und Materialien eingespart werden. Die Firma Alfred Meyer & Co. hat daraufhin ihr Kontor aufgegeben und die Führung der Kriegsgemeinschaft an Jorns & Vahland übergeben. 1945 stirbt Otto Vahland. Eigentlich besteht die Firma unmittelbar nach dem II. Weltkrieg nur noch auf dem Papier. Dann nimmt der gelernte Wollkaufmann Carl Bellinger, geboren 1915 in Fulda, die Geschäfte von Jorns & Vahland in die Hand. 1949 heiratet er Renate Vahland, die Tochter von Otto Vahland.